Ratgeber · Neubautreppe

Womit auf der Baustelle gelaufen wird

Zwischen Rohbau und fertiger Treppe liegen Monate. In dieser Zeit braucht jede Baustelle einen sicheren Weg nach oben, und der sollte die spätere Treppe nicht beschädigen.

Die fertige Treppe gehört nicht in den Rohbau. Staub, Mörtel und Werkzeug hinterlassen Spuren, die sich auf einer geölten Oberfläche nicht mehr herausarbeiten lassen. Deshalb wird im Neubau zuerst eine Bautreppe eingebaut und erst gegen Ende durch die eigentliche Treppe ersetzt.

Warum die fertige Treppe wartet

Eine montierte Holztreppe steht mitten im Arbeitsbereich aller nachfolgenden Gewerke. Maler, Elektriker und Bodenleger tragen Material über sie, stellen Leitern darauf ab und arbeiten mit Flüssigkeiten in unmittelbarer Nähe. Selbst eine vollflächige Abdeckung schützt nicht gegen Druckstellen und gegen Feuchtigkeit, die unter die Folie läuft.

Hinzu kommt die Baufeuchte. Frischer Estrich und Putz geben über Wochen Wasser an die Raumluft ab. Holz nimmt diese Feuchte auf, quillt und trocknet anschließend wieder. Eine Treppe, die diesen Zyklus im Rohbau mitmacht, arbeitet später stärker als eine, die erst in das abgetrocknete Haus kommt.

Was die Zwischenlösung leisten muss

Eine Behelfstreppe ist kein Provisorium zweiter Klasse, sondern ein Arbeitsmittel. Sie muss standsicher sein, eine durchgehende Trittfläche bieten und einen Seitenschutz haben, solange das Treppenauge offen ist. Für die Beschäftigten auf der Baustelle gelten dabei die Regeln des Arbeitsschutzes, nicht die Anforderungen an eine Wohnungstreppe.

In der Praxis kommen Stahlbautreppen, geschraubte Holzkonstruktionen oder massive Betonläufe zum Einsatz. Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, wie lange sie stehen bleibt und wie viel Material über sie transportiert wird.

Wichtig ist, dass sie wieder demontierbar ist, ohne die Deckenkante oder den Estrich zu beschädigen. Dübellöcher im Treppenauge und ausgebrochene Kanten machen später Arbeit, die niemand eingeplant hat.

Treppenmontage im Rohbau

Der Wechsel auf die fertige Treppe

Der Austausch findet statt, wenn Estrich und Putz trocken sind und die staubintensiven Arbeiten abgeschlossen sind. In der Regel ist das nach dem Malern und vor dem Bodenbelag im Obergeschoss. Dann ist das Haus sauber genug für eine fertige Oberfläche und gleichzeitig noch frei genug für den Transport großer Bauteile.

Der Tag selbst braucht Vorlauf. Der Behelf muss heraus, bevor die neue hereinkommt, und für einige Stunden gibt es keinen Weg ins Obergeschoss. Wir stimmen das mit der Bauleitung ab, damit nicht parallel ein anderes Gewerk oben arbeitet.

Wenn kein Behelf möglich ist

Manchmal lässt sich keine separate Behelfstreppe stellen, etwa weil der Platz fehlt oder weil eine Betontreppe bereits Teil der Konstruktion ist. Dann wird die fertige Treppe früher eingebaut und muss geschützt werden, und zwar nicht mit Folie, sondern mit einer tragfähigen Abdeckung aus Platten.

Diese Variante funktioniert, kostet aber Aufwand und lässt ein Restrisiko. Wir sprechen das vorher an, damit später nicht die Frage im Raum steht, wer eine Druckstelle in der dritten Stufe verursacht hat.

Was sich im Bauablauf verschiebt

Der Behelf verlängert den Bauablauf nicht, sie verschiebt nur den Montagetermin der fertigen Treppe nach hinten. Für die Werkstatt ist das sogar günstig, weil das Nachmaß dann auf fertigen Estrich erfolgt und die Maße belastbar sind.

Planerisch heißt das: Die Treppe wird früh beauftragt und spät montiert. Wer sie erst beauftragt, wenn der Rohbau steht, landet mit der Lieferzeit mitten in der Endphase und bringt den Innenausbau ins Stocken.

Kosten einer Zwischenlösung

Die Zwischenlösung verursacht zusätzliche Kosten für Material, Montage und Demontage. Diesem Betrag steht der Schaden gegenüber, der an einer fertigen Treppe während der Bauphase entsteht, und der ist in aller Regel höher. Eine durchgelaufene Oberfläche muss geschliffen und neu behandelt werden, und das betrifft dann den ganzen Lauf.

Dazu kommt ein Punkt, der sich schlecht beziffern lässt: Eine fertige Treppe, die über Monate als Arbeitsweg gedient hat, ist am Übergabetag nicht mehr neu. Druckstellen an den Kanten und Spuren an der Wange bleiben sichtbar, auch wenn die Oberfläche aufgearbeitet wurde.

Wir empfehlen die Bautreppe deshalb nicht aus Vorsicht, sondern weil die Rechnung am Ende fast immer zugunsten der Zwischenlösung ausgeht. Wo sie nicht möglich ist, planen wir den Schutz entsprechend aufwendiger ein und sagen das vorher.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Neubautreppe.

Fertiger Treppenlauf im Neubau

Kurz zusammengefasst

Warum die fertige Treppe wartetEine montierte Holztreppe steht mitten im Arbeitsbereich aller nachfolgenden Gewerke.
Was die Zwischenlösung leisten mussEine Behelfstreppe ist kein Provisorium zweiter Klasse, sondern ein Arbeitsmittel.
Der Wechsel auf die fertige TreppeDer Austausch findet statt, wenn Estrich und Putz trocken sind und die staubintensiven Arbeiten abgeschlossen sind.

Häufige Fragen

Wie lange bleibt eine Bautreppe stehen?

Meist von der Rohbauphase bis nach dem Malern, also mehrere Monate. Der genaue Zeitpunkt richtet sich danach, wann Estrich und Putz durchgetrocknet sind.

Kann die fertige Treppe nicht einfach abgedeckt werden?

Folie schützt gegen Staub, nicht gegen Druck und Feuchtigkeit. Für die gesamte Bauphase reicht das nicht aus.

Wer stellt den Behelf?

In der Regel der Rohbauer oder die Bauleitung. Wir stimmen uns darauf ab, damit Demontage und Montage an einem Tag ineinandergreifen.

Lohnt sich eine Bautreppe finanziell?

In den meisten Fällen ja. Eine Oberflächenaufarbeitung nach der Bauphase kostet mehr als die Zwischenlösung.

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