Ratgeber · Neubautreppe

Warum die Treppe zweimal gemessen wird

Im Neubau entscheidet sich die Stufenhöhe lange bevor der erste Bodenbelag liegt. Wer Rohbaumaß und Fertigmaß verwechselt, bekommt eine Treppe, die oben oder unten nicht aufgeht.

Zwischen dem Rohbau und dem fertigen Haus liegen im Treppenhaus oft zehn Zentimeter Aufbau. Diese Zentimeter stecken in Dämmung, Estrich und Belag, und sie betreffen jede einzelne Stufe. Deshalb halten wir im Aufmaß beide Maße getrennt fest und rechnen den Aufbau erst in der Werkstatt ein.

Was das Rohbaumaß beschreibt

Das Rohbaumaß ist der Abstand von der Rohdecke im unteren Geschoss bis zur Rohdecke im oberen Geschoss. Es ist das Maß, das auf der Baustelle am einfachsten zu nehmen ist, weil beide Ebenen offen liegen und nichts verdeckt ist. Für die Treppe allein genügt es allerdings nicht, denn niemand läuft später auf dem Rohbeton.

Wir nehmen dieses Maß trotzdem als Erstes, weil es die stabile Bezugsgröße ist. Estrichhöhen ändern sich im Lauf einer Bauphase noch, Rohdecken nicht. Steht das Rohbaumaß fest, lässt sich jede spätere Planungsänderung sauber darauf umrechnen, ohne dass das gesamte Aufmaß wiederholt werden muss.

Was im Fertigmaß zusätzlich steckt

Das Fertigmaß ist der Abstand zwischen den fertigen Oberflächen. In ihm stecken Trittschalldämmung, Estrich, Kleber und Bodenbelag, oben wie unten. Je nach Aufbau sind das pro Geschoss sechs bis zwölf Zentimeter, und oben und unten müssen es nicht dieselben sein.

Entscheidend ist, dass der Aufbau für beide Ebenen schriftlich vorliegt, bevor die Treppe in die Fertigung geht. Ein Wechsel von Fliese auf Parkett verschiebt die unterste oder oberste Stufe, und eine fertige Wange lässt sich nicht nachträglich um zwei Zentimeter verlängern.

Wir fragen diese Werte deshalb beim Aufmaß ausdrücklich ab und notieren, wer sie genannt hat. Liegt die Entscheidung über den Belag noch nicht vor, halten wir den Auftrag an dieser Stelle an, statt mit einem angenommenen Wert zu rechnen.

Treppenlauf im Neubau nach der Montage

Der Moment für das Nachmaß

Zwischen dem ersten Aufmaß und der Montage liegen im Neubau häufig mehrere Monate. In dieser Zeit wird estrichiert, verputzt und gespachtelt, und jede dieser Schichten verändert das, was die Treppe vorfindet. Ein Nachmaß kurz vor dem Werkstattauftrag ist deshalb kein Misstrauen gegenüber der Planung, sondern der Normalfall.

Wir messen dabei nicht nur die Geschosshöhe, sondern auch die Breite zwischen den Wänden und die Länge der Deckenöffnung. Putz trägt beidseitig auf, und eine Treppe, die im Rohbau exakt gepasst hätte, steht im verputzten Treppenhaus plötzlich schräg.

Typische Abweichungen im Treppenhaus

Die häufigste Abweichung ist ein Estrich, der dicker ausgeführt wurde als geplant, weil die Rohdecke uneben war. Zwei Zentimeter mehr im unteren Geschoss bedeuten eine erste Stufe, die zwei Zentimeter niedriger ausfällt als alle anderen. Das ist spürbar und in der Nutzung eine Stolperstelle.

Ebenso häufig sind Deckenöffnungen, die geringfügig von der Planung abweichen. Schalung verrutscht, und ein Unterschied von drei Zentimetern in der Länge verändert die Austrittsstufe und die Kopffreiheit. Beides lässt sich in der Werkstatt berücksichtigen, aber nur, wenn es vorher bekannt ist.

Was die Bauherrschaft beitragen kann

Am meisten hilft eine vollständige Angabe des Bodenaufbaus für beide Geschosse, möglichst mit Datenblatt oder Angabe des Verlegers. Zweitens ein fester Termin für das Nachmaß, der nach dem Estrich und vor dem Werkstattauftrag liegt. Drittens die Information, falls sich der Belag später doch noch ändert.

Diese drei Punkte kosten wenig Zeit und entscheiden darüber, ob die Treppe beim ersten Versuch passt. Alles, was danach noch korrigiert werden muss, kostet Werkstattzeit und verschiebt den Montagetermin, und zwar meist in einer Phase, in der auf der Baustelle ohnehin alles eng getaktet ist.

Wer welche Angabe liefert

Das Rohbaumaß nehmen wir selbst, dafür genügt ein Termin auf der Baustelle. Die Angaben zum Bodenaufbau kommen dagegen von der Bauleitung oder vom Bodenleger, und genau an dieser Schnittstelle entstehen die meisten Fehler. Eine mündliche Auskunft am Telefon reicht uns dafür nicht aus.

Wir halten deshalb fest, welcher Aufbau für welches Geschoss gilt, wer die Angabe gemacht hat und wann. Ändert sich später etwas, lässt sich nachvollziehen, auf welcher Grundlage gefertigt wurde. Das ist keine Formalie, sondern die Voraussetzung dafür, eine Abweichung schnell und ohne Diskussion zu klären.

Bei Bauvorhaben mit Architekt läuft diese Abstimmung meist über die Bauleitung. Bei privaten Bauherrschaften ohne Planer übernehmen wir die Nachfrage beim Bodenleger selbst, wenn das gewünscht ist. Wichtig ist nur, dass die Frage überhaupt gestellt wird, bevor zugeschnitten wird.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Neubautreppe.

Montage einer Treppe im Neubau

Kurz zusammengefasst

Was das Rohbaumaß beschreibtDas Rohbaumaß ist der Abstand von der Rohdecke im unteren Geschoss bis zur Rohdecke im oberen Geschoss.
Was im Fertigmaß zusätzlich stecktDas Fertigmaß ist der Abstand zwischen den fertigen Oberflächen.
Der Moment für das NachmaßZwischen dem ersten Aufmaß und der Montage liegen im Neubau häufig mehrere Monate.

Häufige Fragen

Wann wird im Neubau das endgültige Maß genommen?

Nach dem Estrich und vor dem Werkstattauftrag. Dann steht die untere Ebene fest, und der obere Belag lässt sich rechnerisch sauber berücksichtigen.

Was passiert, wenn der Bodenbelag später gewechselt wird?

Dann verändert sich die erste oder letzte Stufe. Solange die Treppe noch nicht gefertigt ist, lässt sich das einrechnen. Danach ist eine Anpassung aufwendig.

Reicht die Angabe aus dem Bauplan?

Als Grundlage ja, als alleinige Basis nein. Wir messen vor der Fertigung nach, weil Estrichstärken und Putzaufträge in der Ausführung regelmäßig abweichen.

Wer muss den Bodenaufbau angeben?

In der Regel die Bauleitung oder der Bodenleger. Wir halten die Angabe schriftlich fest, bevor die Treppe in die Fertigung geht.

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