Ratgeber · Altbautreppe
Warum ein Maß im Altbau nie allein steht
Im Bestand ist die Geschosshöhe keine Zahl, sondern ein Bereich. Sie unterscheidet sich je nach Messstelle, und genau diese Unterschiede müssen in die Treppe eingerechnet werden.
Ein Aufmaß im Altbau dauert länger als im Neubau. Nicht weil es komplizierter ist, sondern weil mehr Punkte gemessen werden müssen, um ein verlässliches Bild zu bekommen.
Was gemessen wird
Die Geschosshöhe vom fertigen Fußboden unten bis zum fertigen Fußboden oben. Dazu die Deckenöffnung in Länge und Breite, der Wandverlauf an beiden Seiten und die Kopffreiheit an der kritischen Stelle.
Dazu kommen die Anschlüsse. Wo der Lauf unten ankommt, was dort für ein Belag liegt, und wie der Übergang oben aussehen soll.
Warum die Höhe wandert
In einem alten Haus ist kein Fußboden perfekt eben. Setzungen, ausgebesserte Stellen, verschiedene Beläge aus verschiedenen Jahrzehnten – all das summiert sich.
Zwei Zentimeter Unterschied zwischen zwei Messstellen sind im Altbau normal und für eine Treppe entscheidend.
Deshalb messen wir die Geschosshöhe an mehreren Punkten, meist an drei bis vier Stellen über die Breite der Öffnung. Welcher Wert für die Rechnung gilt, entscheidet sich danach, wo die Treppe tatsächlich ankommt.
Was passiert, wenn man nur einmal misst
Dann stimmt die Steigung an genau einem Punkt und an allen anderen nicht. Bei zwölf Stufen verteilt sich ein Fehler von zwei Zentimetern auf knapp zwei Millimeter je Stufe, was niemand merkt. Liegt er dagegen ganz in der letzten Stufe, merkt ihn jeder.
Der fertige Fußboden als Bezug
Gemessen wird immer vom fertigen Fußboden, nicht vom Rohboden. Wenn unten noch Estrich oder ein neuer Belag kommt, muss dieser Aufbau bekannt sein.
Das gilt in beide Richtungen. Wird oben ein Teppich entfernt und Parkett verlegt, verändert sich die oberste Stufe. Wer das nicht einrechnet, bekommt am Ende einen Absatz von zwei Zentimetern.
- Bodenaufbau unten, geplant oder vorhanden
- Bodenaufbau oben, geplant oder vorhanden
- Ob eine Fußbodenheizung eingebaut wird
- Ob Beläge noch gewechselt werden sollen
Schiefe Wände aufnehmen
Eine Wange, die an der Wand entlangläuft, folgt dieser Wand. Steht die Wand nicht im Lot oder zieht sie nach oben leicht nach innen, muss die Wange das nachvollziehen.
Dafür nehmen wir den Wandverlauf an mehreren Höhen auf. Daraus entsteht in der Werkstatt ein Teil, das an der konkreten Wand passt und an keiner anderen.
Das ist der Grund, warum eine Treppe aus dem Bestand nicht in ein anderes Haus passt, selbst wenn die Grundmaße gleich sind.
Was aus den Zahlen entsteht
Am Ende steht eine Zeichnung mit jedem Einzelmaß, nicht mit Durchschnittswerten. Jede Stufe hat ihre eigene Höhe, jede Wange ihren eigenen Verlauf.
Diese Zeichnung bekommen Sie vor der Fertigung zu sehen. Was dort steht, wird gebaut, und Änderungen danach sind teuer, weil die Teile schon zugeschnitten sind.
Deshalb nehmen wir uns für die Durchsprache Zeit. Eine halbe Stunde an diesem Punkt spart jede Diskussion am Montagetag.
Warum ein einzelnes Mass nicht genuegt
Die Geschosshöhe ist im Bestand keine einzelne Zahl, sondern eine Reihe von Messwerten, die sich voneinander unterscheiden. Böden in Altbauten haben Gefälle, Decken haben Durchhang, und beides wirkt sich unmittelbar auf die Stufenhöhe aus. Wir messen deshalb an mindestens drei Punkten im Verlauf der geplanten Treppe und notieren die Abweichungen, statt einen Mittelwert zu bilden und zu hoffen, dass er passt.
Entscheidend ist außerdem, auf welche Ebene gemessen wird. Liegt der Estrich noch nicht, ist das Rohbaumaß gültig, und der spätere Bodenaufbau muss schriftlich festgehalten werden. Im bewohnten Haus messen wir auf den fertigen Boden, müssen dann aber wissen, ob dieser Boden erhalten bleibt. Ein Wechsel von Teppich auf Parkett verändert die unterste Stufe und damit die gesamte Teilung, und solche Entscheidungen fallen in Sanierungen oft erst, wenn die Treppe bereits in Auftrag ist.
Auch die Anschlüsse oben und unten gehören zum Aufmaß. Ein Podest mit leichtem Gefälle, eine Türschwelle unmittelbar neben dem Austritt oder ein Heizkörper unter dem Handlauf sind Punkte, die sich auf dem Papier nicht zeigen und auf der Baustelle Zeit kosten. Wir fotografieren diese Stellen beim Aufmaß und legen die Bilder zum Auftrag, damit in der Werkstatt niemand raten muss.
Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Altbautreppe.

Kurz zusammengefasst
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Aufmaß im Altbau
Für einen Lauf rund eine Stunde, für ein ganzes Treppenhaus mit mehreren Geschossen entsprechend länger. Das ist gut investierte Zeit, weil jeder Fehler an dieser Stelle in jeder einzelnen Stufe steckt.
Kann ich die Maße selbst nehmen
Für eine erste Einschätzung am Telefon gern. Geschosshöhe, Öffnungsmaß und Flurbreite reichen, um die Richtung zu klären. Für die Fertigung messen wir selbst, weil dabei auch aufgenommen wird, was man nicht fragt.
Was, wenn der Bodenbelag noch nicht feststeht
Dann warten wir damit oder rechnen mit einem festgelegten Aufbau, den Sie dann einhalten müssen. Die erste Variante ist die sichere. Die zweite geht, wenn der Termin drückt, verlangt aber Verbindlichkeit beim Bodenleger.
Bekomme ich die Zeichnung vor der Fertigung
Ja, immer. Darin stehen alle Maße und die Laufform. Erst nach Ihrer Freigabe wird zugeschnitten. Das ist der letzte Punkt, an dem sich etwas ohne Zusatzkosten ändern lässt.
Ratgeber zu diesem Thema
Drei Beiträge, die einzelne Punkte ausführlicher behandeln.
Deckenöffnung, KopffreiheitWarum die vorhandene Öffnung über die mögliche Treppenform entscheidet.Weiterlesen →
Transportweg, MontagetagWie die Treppe ins Haus kommt und was den Montagetag verlängert.Weiterlesen →
Reihenfolge der GewerkeWann die Treppe kommt, damit Estrich, Putz und Maler sich nicht ins Gehege kommen.Weiterlesen →Wir nehmen das Haus auf, wie es ist, und nicht wie es geplant war.

