Ratgeber · Altbautreppe
Die Öffnung in der Decke bestimmt die Treppe
Im Bestand ist die Deckenöffnung vorgegeben. Sie entscheidet darüber, wie steil die Treppe werden muss und ob man am oberen Ende noch aufrecht gehen kann.
Bei fast jedem Austausch im Bestand ist das die erste Frage, die wir prüfen. Nicht welche Treppe gefällt, sondern welche überhaupt in die vorhandene Öffnung passt.
Was Kopffreiheit bedeutet
Kopffreiheit ist der senkrechte Abstand zwischen einer Stufe und dem, was darüber liegt. Meistens ist das die Deckenkante am Ende der Öffnung.
Als Richtwert gelten zwei Meter. Darunter wird es beim Hinaufgehen unangenehm, weil man den Kopf einzieht, ohne darüber nachzudenken. Unter etwa einem Meter achtzig stößt man irgendwann an.
Wo man es zuerst merkt
Nicht am Kopf, sondern an der Schulter. Wer aufwärts geht, neigt den Oberkörper leicht nach vorn, und die Schulter kommt der Decke näher als der Scheitel.
Deshalb fühlt sich eine Treppe schon eng an, bevor die gemessenen zwei Meter unterschritten sind. Der subjektive Eindruck ist in diesem Fall der bessere Maßstab als das Maßband.
Wie Öffnung und Steigung zusammenhängen
Eine flachere Treppe braucht mehr Stufen für dieselbe Geschosshöhe und damit mehr Länge. Diese Länge muss unter der Deckenöffnung liegen, sonst stößt der Lauf an die Deckenkante.
Jeder Zentimeter, den die Treppe flacher wird, braucht Platz, den die Öffnung hergeben muss.
Umgekehrt heißt das: Wer eine kleine Öffnung hat, bekommt eine steilere Treppe. Das ist der Zielkonflikt, der im Bestand fast immer auftaucht.
Deshalb messen wir zuerst die Öffnung und rechnen von dort rückwärts, statt mit einer Wunschsteigung anzufangen.
Die typischen Engstellen
Die kritische Stelle liegt fast immer an der oberen Deckenkante, wo der Lauf in die Öffnung einfährt. Dort ist der Abstand zwischen Stufe und Decke am geringsten.
- Obere Deckenkante am Ende der Öffnung
- Unterzug oder Querbalken im Treppenhaus
- Dachschräge bei Treppen ins Dachgeschoss
- Türstürze, die in den Laufbereich ragen
- Abgehängte Decken, die nachträglich eingebaut wurden
Besonders häufig sind abgehängte Decken. Sie verringern die Kopffreiheit um mehrere Zentimeter, und oft weiß niemand mehr, dass darüber noch Platz ist.
Wann die Öffnung geändert werden muss
Wenn die rechnerisch nötige Steigung so steil wird, dass die Treppe unangenehm zu begehen wäre. Dann hilft nur eine größere Öffnung.
Das ist ein Eingriff in die Decke und damit in die Statik. Dafür braucht es einen Statiker, und es ist Maurerarbeit, nicht Treppenbau. Wir sagen es früh, damit es im Terminplan auftaucht.
In der Praxis kommt das seltener vor, als viele befürchten. In den meisten Fällen lässt sich mit einer anderen Laufform eine Lösung finden.
Was sich ohne Durchbruch lösen lässt
Der häufigste Weg ist eine andere Laufform. Eine gewendelte Treppe nutzt die Öffnung anders als eine gerade und gewinnt dadurch Länge, ohne mehr Platz zu brauchen.
Der zweite Weg ist der Antritt. Wer die Treppe ein Stück weiter vom Durchgang entfernt beginnen lässt, gewinnt Lauflänge unter der geschlossenen Decke.
Der dritte Weg ist die abgehängte Decke. Wo sie ohnehin erneuert wird, lassen sich mehrere Zentimeter zurückgewinnen, ohne an der Tragstruktur zu arbeiten.
Welcher davon trägt, zeigt sich beim Aufmaß. Meistens ist es eine Kombination aus zweien, und das Ergebnis ist eine Treppe, die niemand als Kompromiss erkennt.
Die Deckenstaerke als unbekannte Groesse
Wie viel Kopffreiheit am Ende wirklich zur Verfügung steht, hängt nicht nur an der Länge der Öffnung, sondern an der Stärke der Decke und an dem, was unter ihr noch dazukommt. In Altbauten liegt zwischen tragender Konstruktion und fertiger Deckenuntersicht häufig ein Aufbau aus Schalung, Putzträger und Putz, der mehrere Zentimeter ausmacht. Bei einer abgehängten Decke oder einer nachträglichen Dämmung kommen weitere Zentimeter hinzu, und zwar genau dort, wo der Kopf des Benutzers vorbeikommt.
Deshalb messen wir beim Aufmaß nicht nur die lichte Öffnung, sondern auch die Dicke der Deckenkante an mehreren Stellen. Eine Holzbalkendecke ist selten gleichmäßig stark, und die Kante der Öffnung ist in vielen Häusern irgendwann einmal nachträglich hergestellt worden. Treten dabei Unterschiede von zwei oder drei Zentimetern auf, verschieben sie den Punkt, an dem die Kopffreiheit am knappsten wird, und damit die Lage der ganzen Treppe.
Steht im Raum unter der Treppe noch ein Bodenaufbau aus, zum Beispiel ein Estrich mit Dämmung oder ein Fertigparkett auf Lagerhölzern, rechnen wir diese Höhe mit ein, bevor die Stufenteilung festgelegt wird. Nachträglich lassen sich die obersten Stufen nicht einfach absenken, ohne die gesamte Teilung zu verändern. Eine halbe Stunde Nachfragen und Nachmessen vor dem Werkstattauftrag erspart hier den Rückbau einer fertigen Treppe.
Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Altbautreppe.

Kurz zusammengefasst
Häufige Fragen
Wie messe ich die Kopffreiheit selbst
Stellen Sie sich auf die Stufe, die direkt unter der Deckenkante liegt, und messen Sie senkrecht nach oben bis zur Decke. Der kritische Punkt liegt dort, wo der Lauf in die Öffnung einfährt, nicht in der Mitte der Treppe.
Kann eine Deckenöffnung immer vergrößert werden
Nein. Es hängt davon ab, wie die Decke trägt und ob Balken oder Unterzüge im Weg sind. Das beantwortet ein Statiker, nicht wir. Wir sagen Ihnen nur, ob und wie viel Vergrößerung nötig wäre.
Was kostet eine Änderung der Öffnung
Die Treppe wird dadurch nicht teurer, aber es kommen Statiker, Maurer und Putzarbeiten dazu. Je nach Deckenaufbau liegt das in einer Größenordnung, die die Entscheidung verändern kann. Deshalb klären wir es vor dem Angebot.
Hilft eine Wendeltreppe bei kleiner Öffnung
Oft ja, weil sie die Länge in die Drehung legt statt in die Gerade. Dafür wird der Auftritt an der Innenseite schmaler. Welche Lösung angenehmer ist, hängt daran, wer die Treppe täglich benutzt.
Ratgeber zu diesem Thema
Drei Beiträge, die einzelne Punkte ausführlicher behandeln.
Transportweg, MontagetagWie die Treppe ins Haus kommt und was den Montagetag verlängert.Weiterlesen →
Geschosshöhe, AufmaßWarum im Altbau jede Stufe einzeln gerechnet wird.Weiterlesen →
Rohbaumaß, FertigmaßWelcher Bodenaufbau noch fehlt und wie er in die Rechnung eingeht.Weiterlesen →Wir messen auf und rechnen die möglichen Laufformen durch.
