Ratgeber · Handlauf nachrüsten
Die Höhe entscheidet, ob der Griff benutzt wird
Ein Griff, der zu hoch oder zu tief sitzt, bleibt ungenutzt. Und ein Griff, der nicht im tragenden Untergrund sitzt, nützt genau in dem Moment nichts, in dem es darauf ankommt.
Zwei Fragen entscheiden über eine Nachrüstung, und beide lassen sich nur vor Ort beantworten. Wie hoch soll der Griff sitzen, und hält die Wand ihn überhaupt.
Welche Höhe sich bewährt hat
Als Richtwert haben sich rund neunzig Zentimeter über der Stufenvorderkante eingebürgert, gemessen senkrecht nach oben. Das passt für die meisten Erwachsenen und entspricht dem, was man von öffentlichen Gebäuden kennt.
Wann man davon abweicht
Wenn im Haus jemand deutlich kleiner oder größer ist, weichen wir ab. Fünf Zentimeter machen beim Greifen einen spürbaren Unterschied, und die Treppe wird für den gebaut, der sie täglich benutzt.
Bei Haushalten mit kleinen Kindern setzt man gelegentlich einen zweiten Griff auf etwa sechzig Zentimetern. Das ist eine Lösung für wenige Jahre, aber in diesen Jahren eine gute.
Wie man die richtige Höhe findet
Am einfachsten im Stehen auf der Treppe. Der Arm hängt locker, die Hand wird leicht angewinkelt, und dort, wo sie ruht, sitzt der Griff bequem. Diese Probe machen wir beim Termin gemeinsam.
Warum der Verlauf wichtiger ist als der Zentimeter
Viel entscheidender als die exakte Höhe ist, dass der Griff durchgehend ist. Eine Unterbrechung am Podest zwingt zum Loslassen genau an der Stelle, an der gewendet wird.
Wer loslassen muss, um weiterzugehen, hält sich beim nächsten Mal gar nicht mehr fest.
Ebenso wichtig ist, dass der Griff über die erste und letzte Stufe hinausreicht. Dort passieren die meisten Fehltritte, weil der Körper den Rhythmuswechsel vorwegnimmt.
- Durchgehend über den ganzen Lauf
- Über die erste und letzte Stufe hinaus
- Am Podest ohne Unterbrechung geführt
- Rund im Querschnitt, damit die Hand umschließen kann
Was die Wand hergeben muss
Ein Griff muss im Ernstfall das Gewicht eines Menschen aufnehmen, der stürzt. Das ist deutlich mehr als das Gewicht desselben Menschen im Stehen, weil Bewegung dazukommt.
Deshalb genügt es nicht, dass der Halter fest sitzt. Er muss in etwas sitzen, das die Kraft weiterleitet. Putz, Dämmung und eine einzelne Gipskartonplatte tun das nicht.
Die typischen Problemwände
In Bauten bis in die sechziger Jahre trifft man auf Vollziegel oder Beton. Dort ist die Befestigung unproblematisch, man muss nur die Lage von Leitungen kennen.
Schwieriger wird es bei Hohlblocksteinen, bei Lehm und bei allem, was in den letzten dreißig Jahren im Trockenbau entstanden ist. Hier entscheidet, ob hinter der Platte eine Unterkonstruktion liegt und ob sie dort liegt, wo der Halter hin soll.
Deshalb bohren wir beim Termin eine Probestelle, bevor etwas bestellt wird. Das hinterlässt ein Loch, das später ohnehin vom Halter verdeckt wird, und beantwortet die wichtigste Frage sofort.
Wenn die Wand nicht trägt
Dann gibt es drei Wege. Eine durchgehende Leiste, die auf mehreren Punkten verteilt befestigt wird und die Last streut. Eine Befestigung, die bis in die tragende Schicht dahinter reicht. Oder eine Lösung, die ganz ohne Wand auskommt.
Der dritte Weg führt über das vorhandene Geländer. Wo eines steht, lässt sich meist ein zweiter Griff daran anbringen, unabhängig davon, was die gegenüberliegende Wand hergibt.
Was wir nicht machen, ist einen Griff in eine Wand zu setzen, von der wir wissen, dass sie ihn nicht hält. Ein Griff, der im Ernstfall ausreißt, ist gefährlicher als gar keiner, weil man sich auf ihn verlassen hat.
Was der Griff aushalten muss
Für die Bemessung wird nicht das Gewicht eines stehenden Menschen angesetzt, sondern die Kraft, die beim Abfangen eines Sturzes wirkt. Die liegt deutlich höher und wirkt stoßartig statt gleichmäßig.
Das ist der Grund, warum eine Befestigung, die beim Rütteln hält, trotzdem zu schwach sein kann. Rütteln erzeugt genau die Belastung nicht, auf die es ankommt.
Praktisch heißt das: Lieber ein Halter mehr als einer zu wenig, und lieber in die tragende Schicht als in den Putz davor. Die paar Zentimeter längere Schraube kosten nichts und entscheiden den Fall.
Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Handlauf nachrüsten.

Kurz zusammengefasst
Häufige Fragen
Wie messe ich die Höhe richtig nach
Senkrecht von der Vorderkante der Stufe nach oben bis zur Oberkante des Griffs. Nicht von der Trittfläche in der Mitte, weil das je nach Stufentiefe unterschiedliche Werte ergibt. Der übliche Wert liegt bei rund neunzig Zentimetern.
Kann man einen Griff auf eine Fliesenwand setzen
Ja, wenn der Untergrund dahinter trägt. Gebohrt wird dann möglichst in die Fuge oder mit einer Fliesenbohrkrone, damit nichts abplatzt. Der tragende Untergrund hinter den Fliesen ist der entscheidende Punkt, nicht die Fliese selbst.
Wie viele Halter braucht ein Griff
Als Richtwert alle achtzig bis hundert Zentimeter einer, dazu je einer am Anfang und am Ende. Bei schwachem Untergrund werden es mehr, weil die Last dann auf mehr Punkte verteilt wird.
Hinterlässt die Montage viel Schmutz
Wenig. Es entstehen pro Halter ein bis zwei Bohrlöcher, und wir arbeiten mit Absaugung. Für einen Lauf ist das eine Sache von Stunden, danach muss nur gewischt werden.
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