Ratgeber · Handlauf nachrüsten

Wenn das Kind krabbelt und die Treppe offen ist

Ein offenes Treppenauge und Geländerstäbe mit großen Abständen fallen jahrelang nicht auf. Dann lernt jemand im Haus laufen, und beides wird von einem Tag auf den anderen zum Thema.

Die meisten Anrufe zu diesem Thema kommen innerhalb weniger Wochen nach dem ersten Geburtstag. Vorher ist die Treppe kein Thema, danach plötzlich das wichtigste im Haus.

Was am Treppenauge gefährlich ist

Das Treppenauge ist der offene Schacht zwischen zwei Läufen. Von oben betrachtet ist es ein Loch, das über mehrere Geschosse reicht, und es ist genau so breit, dass ein Kind hineinpasst.

Die drei kritischen Stellen

Am gefährlichsten ist die Oberkante des Geländers am Treppenauge, weil sie zum Hinaufklettern einlädt. Danach kommen die Seiten offener Läufe, wo zwischen Stufe und Geländer eine Lücke bleibt. Zuletzt die Galerie, die oft als Letztes gesichert wird.

Alle drei lassen sich nachrüsten, ohne dass die Treppe angefasst wird. Es geht um Ergänzung, nicht um Umbau.

Welche Abstände heute üblich sind

Als Richtwert gilt ein lichter Abstand von höchstens zwölf Zentimetern zwischen den Stäben. Die Zahl kommt daher, dass ein Kinderkopf bei größeren Abständen hindurchpasst.

In älteren Häusern findet man regelmäßig fünfzehn bis zwanzig Zentimeter. Das war zur Bauzeit üblich und ist im Bestand nicht verboten, aber es ist der Grund für die meisten Nachrüstungen.

  • Lichter Abstand höchstens zwölf Zentimeter
  • Auch die Lücke zwischen Stufe und untersten Stab prüfen
  • Am Treppenauge besonders auf die Oberkante achten
  • Galerie nicht vergessen, sie wird oft übersehen

Gelaender im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses

Warum waagerechte Sprossen das Problem sind

Ein Geländer mit waagerechten Querstäben sieht modern aus und ist für Erwachsene unbedenklich. Für ein Kleinkind ist es eine Leiter.

Was wie ein Geländer aussieht, ist aus Kinderperspektive eine Sprossenwand.

Deshalb ist bei Haushalten mit kleinen Kindern die senkrechte Füllung die sichere Wahl. Wo bereits waagerechte Stäbe sitzen, lässt sich eine Platte oder ein Netz davorsetzen, solange es nötig ist.

Die Möglichkeiten zum Nachrüsten

Die dauerhafte Lösung sind zusätzliche senkrechte Stäbe im vorhandenen Rahmen. Sie werden auf Maß gefertigt, in den Bestand eingesetzt und sehen aus, als wären sie immer dort gewesen.

Die schnelle Lösung ist eine Glas- oder Acrylplatte hinter dem Geländer. Sie schließt die Fläche vollständig, lässt sich ohne Eingriff montieren und später spurlos entfernen.

Die vorübergehende Lösung sind textile Netze. Sie kosten wenig und reichen für ein bis zwei Jahre, sehen aber sichtbar nach Übergangslösung aus.

Was danach wieder zurückgebaut wird

Das ist die Frage, die beim ersten Gespräch zu klären ist. Soll die Sicherung bleiben oder in drei Jahren wieder verschwinden.

Soll sie bleiben, lohnt die eingesetzte Füllung, weil sie zum Geländer gehört und nicht danach aussieht. Soll sie weg, ist die vorgesetzte Platte besser, weil sie keine Spuren hinterlässt.

Wer das nicht vorher entscheidet, hat später entweder Bohrlöcher im Handlauf oder eine Lösung, die nach Kinderzeit aussieht, obwohl die Kinder längst erwachsen sind.

Wie Sie die Treppe aus Kinderperspektive prüfen

Der einfachste Test dauert zwei Minuten. Gehen Sie in die Hocke, bis die Augen etwa achtzig Zentimeter über dem Boden sind, und sehen Sie sich das Geländer von dort an.

Aus dieser Höhe sieht man sofort, wo Lücken sind, die von oben nicht auffallen. Besonders die Stelle zwischen der untersten Stufe und dem ersten Stab wird regelmäßig übersehen, weil sie im Stehen hinter der Stufe verschwindet.

Dasselbe gilt für die Galerie im Obergeschoss. Dort sitzt die Lücke oft zwischen Fußboden und dem untersten waagerechten Element, und genau dort rutscht ein Kind durch, das sich zum Anschauen hinlegt.

Was Ihnen bei diesem Rundgang auffällt, notieren Sie am besten. Beim Termin arbeiten wir die Liste gemeinsam durch und ergänzen, was uns zusätzlich auffällt.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Handlauf nachrüsten.

Glasbrüstung am Treppenauge

Kurz zusammengefasst

Was am Treppenauge gefährlich istDas Treppenauge ist der offene Schacht zwischen zwei Läufen.
Welche Abstände heute üblich sindAls Richtwert gilt ein lichter Abstand von höchstens zwölf Zentimetern zwischen den Stäben.
Warum waagerechte Sprossen das Problem sindEin Geländer mit waagerechten Querstäben sieht modern aus und ist für Erwachsene unbedenklich.

Häufige Fragen

Reicht ein Treppengitter nicht aus

Für den Zugang ja, für das Treppenauge nein. Ein Gitter verhindert, dass das Kind auf die Treppe kommt. Es hilft nicht, wenn das Kind auf der Treppe ist, zum Beispiel begleitet. Beides zusammen ist die übliche Lösung.

Wie lange braucht man die Sicherung

In der Praxis bis etwa zum vierten Lebensjahr. Danach ist die Kletterlust meist größer als die Unfallgefahr durch Hindurchfallen, und man braucht eher einen zweiten Griff auf Kinderhöhe als eine Füllung.

Lässt sich eine Glasplatte später spurlos entfernen

Bei Klemmbefestigung ja. Dann bleibt am Geländer nichts zurück. Wird verschraubt, bleiben Löcher, die sich bei Holz füllen und bei Metall nur schwer verbergen lassen. Sagen Sie uns vorher, was geplant ist.

Was kostet eine Nachrüstung am Treppenauge

Das hängt an der Länge und am vorhandenen Geländer. Eine vorgesetzte Platte über wenige Meter ist überschaubar, eine eingesetzte Füllung über mehrere Geschosse deutlich aufwendiger. Wir messen auf und rechnen beide Wege.

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