Ratgeber · Treppenreparatur

Was die Heizperiode mit dem Holz macht

Fugen, die im Sommer verschwinden und im Winter wiederkommen, sind kein Mangel. Sie zeigen, wie trocken die Luft im Haus geworden ist.

Holz steht im Austausch mit der Raumluft. Es nimmt Feuchtigkeit auf, wenn die Luft feucht ist, und gibt sie ab, wenn sie trocken wird. Dabei verändert es sein Volumen, und diese Bewegung ist die Ursache für einen großen Teil der Schäden, die an Treppen gemeldet werden.

Die Holzfeuchte folgt der Raumluft

Jedes Stück Holz stellt sich auf einen Feuchtegehalt ein, der zur umgebenden Luft passt. In einem bewohnten Haus liegt dieser Wert über das Jahr betrachtet zwischen etwa sechs und zwölf Prozent. Der Unterschied klingt gering, bedeutet über die Breite einer Trittstufe aber mehrere Millimeter Bewegung.

Diese Bewegung läuft fast ausschließlich quer zur Faser. In Längsrichtung ändert sich praktisch nichts. Deshalb werden Fugen zwischen nebeneinanderliegenden Lamellen sichtbar, während die Länge einer Stufe gleich bleibt.

Was im Winter passiert

Kalte Außenluft enthält wenig Wasser. Wird sie ins Haus geholt und auf Zimmertemperatur erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchte deutlich. In gut gedämmten Häusern mit hoher Luftwechselrate sind im Januar Werte unter dreißig Prozent keine Seltenheit.

Das Holz reagiert darauf mit Schwinden. Verleimte Lamellen ziehen sich auseinander, Fugen öffnen sich, und Verbindungen, die eng saßen, bekommen Spiel. Im Frühjahr kehrt sich der Vorgang um, und die meisten dieser Fugen schließen sich wieder.

Problematisch wird es, wenn die Schwankung sehr groß ist oder sehr schnell abläuft. Dann reicht die Elastizität des Materials nicht aus, und es entstehen Risse, die auch im Sommer offen bleiben.

Holztreppe in einem Wohnhaus

Risse, Fugen, Geräusche

Trockenfugen an der Oberfläche und feine Risse an den Stufenkanten gehören zum Material und sind kein Grund für eine Reklamation. Sie zeigen, dass das Holz lebt, und sie verändern die Tragfähigkeit nicht.

Anders sieht es aus, wenn ein Riss durchgehend über die ganze Breite läuft, wenn er sich über Jahre deutlich vergrößert oder wenn er an einer Stelle sitzt, an der die Stufe aufliegt. Diese Fälle sehen wir uns an, bevor sie größer werden.

Welche Werte sinnvoll sind

Für Holzbauteile im Innenraum gilt eine relative Luftfeuchte zwischen etwa vierzig und sechzig Prozent als günstig. In diesem Bereich bleibt die Bewegung klein, und auch die Bewohner empfinden das Klima als angenehm. Ein einfaches Hygrometer im Treppenhaus macht sichtbar, wo man tatsächlich liegt.

Wichtiger als der absolute Wert ist die Geschwindigkeit der Änderung. Ein langsamer Übergang über Wochen macht dem Holz wenig aus, ein Sprung innerhalb weniger Tage dagegen schon. Das betrifft vor allem Häuser, die zeitweise leer stehen und dann durchgeheizt werden.

Was im Haus hilft

Im Winter hilft maßvolles Lüften statt dauerhaft gekippter Fenster, weil jeder Luftwechsel trockene Luft hereinbringt. Pflanzen, offene Wasserflächen oder ein Luftbefeuchter heben die Feuchte an, ohne dass es aufwendig wird. Im Treppenhaus reicht oft schon, die Tür zu einem feuchteren Raum nicht ständig geschlossen zu halten.

In der anderen Richtung gilt: Nach einer Sanierung mit Estrich oder Putz gibt das Gebäude über Monate Feuchtigkeit ab. In dieser Phase sollte eine neue Treppe noch nicht eingebaut sein, und eine vorhandene braucht regelmäßiges Lüften, damit sie das Wasser nicht aufnimmt.

Wie Oberflächen darauf reagieren

Nicht jede Oberfläche zeigt die Bewegung des Holzes gleich deutlich. Eine geölte Oberfläche arbeitet mit, weil sie in das Holz eindringt statt einen geschlossenen Film zu bilden. Fugen, die sich öffnen, fallen dadurch weniger auf, und die Stellen lassen sich später partiell nachbehandeln.

Ein Lackfilm liegt dagegen auf dem Holz und muss dessen Bewegung mitmachen. Öffnet sich darunter eine Fuge, reißt der Film an dieser Stelle, und der Riss bleibt sichtbar, auch wenn sich das Holz im Sommer wieder schließt.

Für Räume mit starken Schwankungen, etwa in Häusern mit zeitweiser Nutzung, ist eine geölte Oberfläche deshalb im Vorteil. Das ist keine Grundsatzentscheidung gegen Lack, sondern eine Frage der Bedingungen am konkreten Objekt.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Treppenreparatur.

Dachbodenaufgang nach der Reparatur

Kurz zusammengefasst

Die Holzfeuchte folgt der RaumluftJedes Stück Holz stellt sich auf einen Feuchtegehalt ein, der zur umgebenden Luft passt.
Was im Winter passiertKalte Außenluft enthält wenig Wasser.
Risse, Fugen, GeräuscheTrockenfugen an der Oberfläche und feine Risse an den Stufenkanten gehören zum Material und sind kein Grund für eine…

Häufige Fragen

Sind Fugen in der Trittstufe ein Mangel?

Trockenfugen, die sich im Sommer wieder schließen, gehören zum Werkstoff Holz. Dauerhaft offene oder durchgehende Risse sehen wir uns an.

Welche Luftfeuchte braucht eine Holztreppe?

Etwa vierzig bis sechzig Prozent relative Luftfeuchte. In diesem Bereich bleibt die Bewegung im Holz gering.

Hilft ein Luftbefeuchter im Treppenhaus?

Er kann die Werte im Winter spürbar anheben. Wichtig ist vor allem, starke und schnelle Schwankungen zu vermeiden.

Verhalten sich geölte und lackierte Treppen unterschiedlich?

Ja. Öl arbeitet mit dem Holz und lässt sich partiell nachbehandeln, ein Lackfilm reißt an sich öffnenden Fugen sichtbar auf.

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